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Vertikale Städte - Brandschutz für Hochhäuser

Aktualisiert: 2. Juni 2023

In Berlin, aber nicht nur dort, wachsen neue Hochhäuser immer höher in den Himmel. Zahlreiche Projekte sind in der Planung, im Bau oder bereits fertiggestellt.

hhpberlin erstellt regelmäßig Brandschutzkonzepte für Hochhausprojekte unterschiedlichster Größenordnungen. Unter anderem für das Four in Frankfurt, den Roche Bau 1 und 2 in Basel, das Upper West in Berlin...

Martin Steinert, Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz spricht über die Besonderheiten bei der Brandschutzplanung für Hochhäuser und über mögliche zukünftige Entwicklungen beim Bauen in die Vertikale.



Edge East Side, Berlin (Foto: Marcus Bischoff)

Hallo Martin, das aktuell höchste Hochhaus Berlins, das Edge East Side , steht kurz vor der Vollendung. Du hast dafür den Brandschutznachweis geschrieben.

Die Anforderungen an den Brandschutz bei Hochhäusern sind besonders hoch. Wo liegen die Besonderheiten bei Planung und Umsetzung eines solchen Projektes?


Für die Belange des Brandschutzes ergeben sich aufgrund der Gebäudehöhe natürlich einige besondere Herausforderungen für die Möglichkeiten der Selbstrettung und auch für die Erschließung durch die Feuerwehr. Die zu beachtenden Regelungen sind aber weitreichend, so dass das Sicherheitsniveau in Hochhäusern regelmäßig das anderer Gebäude übersteigt. Dies eröffnet daher die Möglichkeit zu Optimierungen...

Optimierungen im Allgemeinen spielen bei Hochhausprojekten zudem eine herausragende Rolle. Jeder nicht unnötig verbrauchte Quadratmeter zahlt sich x-fach aus – hier beim ETB 38fach.



Ein anspruchsvolles Projekt wie das Edge East Side erfordert sicherlich ein hohes Maß an kontinuierlicher Abstimmung zwischen allen Beteiligten. Wie muss man sich den Prozess vorstellen?


Die umfassenden Anforderungen an Hochhäuser führen bereits in den ersten Konzeptionen zu Differenzen zwischen dem Planungswillen und dem Regelwerk. Diese Differenzen gilt es früh zu erkennen und deren Auswirkungen zu beurteilen. Eine zuverlässige Einschätzung zu Genehmigungsrisiken ist hier wichtig, um Sackgassen als solche zu erkennen und mögliche Wege zu definieren. Wenn der Vorentwurf dann so weit gediehen ist, dass das Gebäude grundsätzlich passt, werden die angenommen Abweichungen mit der prüfenden Instanz abgestimmt, um die Genehmigungsrisken für die Bauherrin/den Bauherrn zu minimeren.

Auch die Erfahrungen aus vergangenen Planungen und die Begleitung anderer Projekte bis zur Fertigstellung helfen, Punkte zu identifizieren, die besonderes Augenmerk verdienen.



Martin Steinert, Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz bei hhpberlin

Mit der Fertigstellung eines Hochhauses endet der Prozess ja nicht. Es beginnt ja quasi ein neuer Abschnitt im Lebenszyklus des Gebäudes. Vor welchen Herausforderungen stehen Betreiber während der Nutzung in Bezug auf den Brandschutz?


Die Erfahrung zeigt, dass die Inbetriebnahme faktisch nie mit der Nutzungsaufnahme abgeschlossen ist. Viele Systeme müssen sich bewähren, werden angepasst oder weggelassen. Die Betreiberin/der Betreiber muss dabei stets im Blick haben, dass das Konzept des Gebäudes weiterhin funktioniert.

Die Nutzer der Gebäude müssen über die Maßnahmen im Gebäude informiert sein, eventuelle Einschränkungen und Regelungen kennen. Im Idealfall auch Abläufe üben.



Sind Hochhäuser für die Feuerwehr eigentlich noch etwas Besonderes?


Auf jeden Fall. Einsätze in Hochhäusern sind selten, der Umgang mit der dort vorhandenen Technik daher nicht das tägliche Geschäft. Hochhausplanungen sind teilweise sehr komplex und für Außenstehende schwer nachzuvollziehen. Die Kollegen des vorbeugenden Brandschutzes der Berliner Feuerwehr sind aber in der Genehmigungsphase involviert und versuchen, die Randbedingungen für den Einsatzdienst praktikabel zu lösen. Funktionieren muss der Löschangriff auch nachts um drei, ohne dass man vorher eine lange Bedienungsanleitung zum Gebäude lesen muss.

Die Randbedingungen sind aber insgesamt für die Belange der Feuerwehr deutlich dankbarer als etwa in bestehenden Gebäuden am 2. Hinterhof.



Hochhäuser werden im Zuge der Urbanen Verdichtung noch weiter an Bedeutung gewinnen. Welche Entwicklungen siehst Du hier aus Brandschutzsicht?


Das Anforderungsniveau bei Hochhäusern ist sehr hoch, was deren Planung und Errichtung teuer macht. Für das gesellschaftlich wichtigste Bedarfsfeld, bezahlbarer Wohnraum, entstehen daher Probleme. Hier wird es weiterführende Abstufungen geben müssen, so dass der Vorteil höherer Gebäude nicht durch das Mehr an Technik verbraucht wird. Auch der Einsatz brennbarer Baustoffe im Hochhausbau – also das Ermöglichen von Holzbauten – wird schon jetzt regelmäßig gewünscht - auch von öffentlichen Bauherren. Die Planer dieser Bauaufgaben gehen hier für den politischen Willen voll ins Risiko, was in der Folge auch zu Anpassungen führen wird.

Lange Rede, kurzer Sinn: der politische Wille muss sich auch auf die zu beachtenden Planungsregel niederschlagen. Die Forschungen, die solche Entscheidungen vereinfachen, wurden lange vernachlässigt, sind nun aber auf dem Weg. Ich bin daher zuversichtlich, dass die gefühlten Zielkonflikte gar keine sind. Das No-Tec-Holzhochhaus mit begrünter Fassade wird es aber dennoch nicht werden können. Mal sehen, wie dicht wir an dieses Bild herankommen können.



 




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