Höher wohnen und arbeiten – hybriden Hochhäusern gehört die Zukunft

Wohnfläche dringend gesucht! Doch woher nehmen, wenn kein Platz ist? Der Baugrund in den Metropolen ist knapp und teuer geworden. Eine von vielen Lösungen lautet: in die Höhe bauen. Der Trend geht zu Mixed-Use-Konzepten, bei denen verschiedene Nutzungsarten wie Wohnen, Arbeiten, Einzelhandel etc. miteinander kombiniert werden. Von „vertical villages“, vertikalen Dörfern, ist die Rede. Hohe Erwartungen an eine neue Hochhausgeneration.


Im Gegensatz zu Asien und den USA gibt es hybride Hochhäuser hierzulande noch relativ selten, doch Stadtplaner und Architekten wie Christoph Langhof sind überzeugt: “Innovative Hochhauskonzepte der neuen Generation sehen vor allem eine Mischnutzung vor.” Das Ziel: mehr Lebendigkeit in die Innenstädte bringen und verhindern, dass die Wohnfunktion des Stadtzentrums wegen der zunehmenden Gewerbenutzung verdrängt wird. Das UPPER WEST am Berliner Kurfürstendamm, das FOUR und der OMNITURM in Frankfurt am Main zeigen, wie es gehen kann.


1,2,3, FOUR – Vier gemischte Türme für Frankfurt


Keine andere deutsche Großstadt strebt so in die Höhe wie Frankfurt am Main. Die Skyline von „Mainhattan” ist europaweit einzigartig. Mit dem 190 Meter hohen OMNITURM entstand 2019 das fünfthöchste Gebäude Frankfurts und gleichzeitig das erste deutsche Hochhaus mit echter Mischnutzung. Es hält neben Büro- und Wohnraum auch öffentliche Flächen bereit.

Auf dem einstigen Areal der Deutschen Bank entstehen mit dem FOUR gleich vier Hochhäuser als gemischtes Quartier: Apartments, geförderter Wohnraum, Büroflächen, zwei Hotels, Verkaufsflächen, eine Kita, eine Foodhall und ein öffentlich zugänglicher Dachgarten. Ein Sockelbau verbindet alle vier Türme miteinander. Das höchste Gebäude des Ensembles soll 233 Meter in den Himmel ragen und wird damit nach dem Commerzbank-Tower und dem Messeturm zum dritthöchsten Hochhaus in Frankfurt.


Architekt Ben van Berkel und sein Team von UNStudio standen vor der Herausforderung, ein seit Jahrzehnten vom urbanen Leben getrenntes Areal wieder mit der Innenstadt zu verbinden. “Wir reden in unserem Gestaltungskonzept von einer Stadt für alle. Unsere Planung zielt auf eine ausgewogene Mischung aus Arbeit, Wohnen, Entspannung und Erholung”, so van Berkel. Laut Projektentwickler Groß & Partner soll das FOUR 2023, spätestens 2024 fertig sein.


Auch andere deutsche Städte entwickeln “vertikale Quartiere”. In Hamburg entsteht zum Beispiel demnächst der 245 Meter hohe Elbtower in der HafenCity. Er sieht eine Mischnutzung mit Büros, Einzelhandelsflächen, Gastronomie und Hotel unter einem Dach vor.


Nachhaltige Stadtplanung


Die Trennung von Arbeits- und Wohnräumen hat in vielen Städten zu Monostrukturen geführt, die zu Lasten der Attraktivität einzelner Stadtteile ging. In den 1970er- und 1980er-Jahren entstanden Wohnhochhäuser vornehmlich an den Randflächen der Großstädte. Wohnen, Arbeiten, Handel und Freizeit auf engstem Raum, das war der Plan. Doch statt „neuer Städte“ entwickelten sich nicht selten soziale Brennpunkte. Auf der anderen Seite entstanden Bürohäuser geballt in Vierteln, in denen am Tag wegen der Berufspendler ein starkes Verkehrsaufkommen herrscht und abends dann die Bordsteine leergefegt sind.


Hochhäuser mit Mischnutzung sind Teil des öffentlichen Lebens. Sie haben das Potenzial, das Miteinander in den Städten zu verändern und sich zu einem modernen urbanen Lebens- und Arbeitsort im Zentrum der Metropolen zu mausern. Gleichzeitig leisten sie einen Beitrag, um der Zersiedlung entgegenzuwirken und vorhandene Flächen effizient zu nutzen.


Ein Vorteil für Investoren ist die Risikodiversifikation. Die unteren Etagen eines Hochhauses sind zum Wohnen und Arbeiten meist nicht so attraktiv wie die oberen. Ein Hotel hat im unteren Bereich hingegen durchaus seinen Charme. Art und Grad der Nutzungsmischung sind auch immer an den Standort gebunden und erzeugen bestenfalls Synergieeffekte.