• Nancy Langnickel

hhpberlin macht Schule

Berlin braucht neue Schulen – und zwar möglichst schnell. Um dem Bedarf gerecht zu werden, startete der Berliner Senat 2016 seine Schuloffensive. 5,5, Milliarden Euro will das Land bis 2026 investieren, um Schulen zu bauen, zu erweitern und zu sanieren. Dabei sollen mehr als 60 Neubauten entstehen, größtenteils Grundschulen. 


Immer wenn es schnell gehen soll, stellt sich auch die Frage nach Effizienz und Nachhaltigkeit. Deshalb lobte der Senat zwei Wettbewerbe aus, mit der Aufgabe, jeweils modulare 3-zügige und 4-zügige Grundschule mit Sporthalle zu konzipieren. Es galt, einen wirtschaftlichen und flexiblen Typenbau zu entwickeln und dabei neue pädagogische Raumkonzepte einzubeziehen. Berlin möchte sich verabschieden von den klassischen Flurschule, in denen die Räume entlang von langen Fluren aufgereiht sind. Die Klassen sollen stattdessen in einem Lernhaus in sogenannten Compartments zusammenarbeiten. Ein Compartment (Englisch für Abteil) besteht aus einem Forum, an das die Lernbereiche andocken sowie einer Teamzone für die Lehrkräfte.


Identische Grundrisse mit übergeordnetem Brandschutzkonzept 

links: Visualisierung der 4-zügigen Grundschule von Bruno Fioretti Marquez Architekten; rechts: Visualisierung der 3-zügigen Grundschule von h4a Gessert + Randecker;


Als Gewinner des Wettbewerbs für die 3-zügige Grundschule ging das Büro h4a Gessert + Randecker aus Stuttgart hervor. Die Jury lobte die raffinierte Grundrisslösung und Anordnung der Compartments rund um die Innenhöfe. Beim Wettbewerb für die 4-zügige Grundschule gewannen Bruno Fioretti Marquez Architekten aus Berlin. Der Jury gefiel hier die kompakte Anordnung, aus der kurze Wege und eine gute Belichtung resultieren.  


Bis 2022 sollen zehn der 3-zügigen und zwölf der 4-zügigen Grundschulen entstehen. Die Gebäude basieren jeweils auf einem identischen Grundriss, der in einem gewissen Maß modifiziert werden kann. So variiert zum Beispiel standortbedingt die Lage des Ein- und Ausgangs. Die Freianlagen werden jeweils individuell geplant. Dank der modularen Bauweise wird die Bauzeit erheblich beschleunigt.  


hhpberlin begleitet den Genehmigungsprozess und erstellt für jeden der beiden Schultypen ein übergeordnetes Brandschutzkonzept, das für den einzelnen Standort und die damit einhergehenden architektonischen Spezifikationen angepasst wird.


Verzicht auf notwendige Flure 


Alle 22 Neubauten kommen ohne notwendige Flure aus. Und das, obwohl jedes Compartment eine Fläche von bis zu 600 qm umfasst. Laut Bauordnung Berlin sind maximal 200 qm ohne notwendige Flure zulässig bzw. 400 qm, wenn man die Entscheidungshilfen Berlin zugrunde legt. Für die 22 Grundschulen wird nun eine Lösung für 600 qm erarbeitet. In jedem Compartment können zwei bauliche Rettungswege erreicht werden. Einer führt nach maximal 35 Metern ins Freie oder in einen notwendigen Treppenraum, der andere über das anliegende Compartment in den dortigen Treppenraum.   


Cluster und Compartments – Lernräume neu denken 


Die Berliner Schuloffensive orientiert sich an aktuellen Pädagogik-Konzepten, die eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Kindern und Pädagogen sowie individuelle Lehr- und Lernprozesse fördern sollen. Daraus ergeben sich neue Ansprüche an Raum und Architektur, denen Compartment- oder Cluster-Schulen gerecht werden sollen.  


Compartments sind sozusagen die “kleinen Schulen” in der “großen Schule”. Jedes einzelne besteht aus allgemeinen Unterrichtsbereichen sowie einem Teambereich. Das Forum ist das Herzstück – ein zentraler Ort der Begegnung und Kommunikation. Drumherum gruppieren sich Unterrichtsräume und weitere flexibel nutzbare, pädagogische Bereiche. Den Pädagogen eines Compartments steht ein Teambereich zur Verfügung - mit Arbeitsplätzen, Lehr- und Lernmittelsammlung sowie Kopierraum. 


Der Fokus der Compartments liegt auf Transparenz und gegenseitiger Wahrnehmung. Eine visuelle Öffnung der Räume soll Vertrauen und Gemeinschaftsgefühl schaffen und den integrativen, teamorientierten Ansatz fördern. 

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