Flurschule war gestern - Trends im Schulbau aus Sicht des vorbeugenden Brandschutzes

Autoren: Petra Theimer und Karsten Foth


Wachsende Städte brauchen nicht nur mehr Wohnraum, sondern auch mehr Schulen. Wer dabei Gebäude mit langen Fluren und Klassenzimmertüren vor Augen hat, irrt sich. Frontalunterricht und die gängigen Klassenzimmer-Flur-Schulen sind Auslaufmodelle. Zeitgemäße Schulen entwickeln sich zum ganztägig und inklusiv genutzten Lern- und Lebensraum, in dem Schülerinnen und Schüler ihr Wissen zu einem großen Teil selbst oder in Teams erarbeiten. Dafür braucht es offene Lernlandschaften und flexibel nutzbare Raumkonzepte.


Städte wie München, Köln, Düsseldorf und Dresden haben Schulbauleitlinien erarbeitet oder sind gerade dabei. Berlin hat nach München und Herford in Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland ein neues Gebäudekonzept für Schulen eingeführt – das „Konzept der Berliner Lern- und Teamhäuser“. Alle Programme eint das Ziel, maximale Offenheit und Transparenz für eine bessere Kommunikation und ein selbstorganisiertes Miteinander zu schaffen.


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Münchener Lernhaus, konzipiert vom Büro wulf architekten. Mittelpunkt des Moduls ist ein über einen Lichthof belichteter, frei bespielbarer Mehrzweckbereich.


Für den vorbeugenden Brandschutz bringen die offenen und flexiblen Strukturen neue Herausforderungen mit sich, vor allem weil die rechtlichen Rahmenbedingungen bisher nur Schulgebäude nach traditionellen Raumaufteilungen abbilden. Ein strenges – den aktuellen Verordnungen oder Richtlinien entsprechendes – Brandschutzkonzept mit notwendigen Fluren oder einer kleinteiligen Gliederung in Teilnutzungseinheiten lässt wenig Möglichkeiten offen, die Bedürfnisse moderner Schulbauten zu befriedigen. Vielmehr bedarf es innovativer und schutzzielorientierter Brandschutzkonzepte, die auf die jeweilige Planung ausgelegt sind. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die Möglichkeiten und Ansätze in Berlin und München.


Cluster – Die kleine Schule in der großen


In den neuen Schulkonzepten ist meist von Clustern, Compartments, Lern- und Teamhäusern sowie Lernlandschaften die Rede. Sie alle zeichnen sich durch ein flexibles und multifunktionales Raumkonzept aus, das mit dem herkömmlichen Frontalunterricht bricht und dadurch mehr Freiheit für die Unterrichtsgestaltung ermöglicht. Cluster sind sozusagen „kleine Schulen” in der “großen Schule”. Jedes einzelne hat eine gemeinsame „Mitte“, also einen erweiterten Flur oder ein Forum, das als zentraler Bereich unterschiedliche Funktionen erfüllen kann, etwa als Puffer für Einzel- und Gruppenarbeiten, als beruhigte Zone oder Multifunktionsraum.

Eine flexible Raumnutzung gewährleistet methodische Vielfalt und damit einen individuellen Unterricht.


Damit werden klassische Erschließungsflure aufgelöst oder ersetzt. Die zentralen Mittelzonen stellen somit nicht mehr ausschließlich Verkehrswege dar, sondern besitzen Aufenthaltsnutzungen mit Brandlasten und Brandentstehungsquellen. Um sie herum gruppieren sich Unterrichtsräume und weitere flexibel nutzbare, pädagogische Bereiche. Meist sind die Räume transparent und somit visuell gekoppelt.


Trotz größtmöglicher Flexibilität für moderne Unterrichtsformate müssen die Schutzziele des Brandschutzes eingehalten und in der Planung abgebildet werden. Das bedeutet konkret, dass einer Brandentstehung und der Brandausbreitung vorgebeugt werden muss und die Rettung von Menschen sowie wirksame Löschmaßnahmen möglich sein müssen.