Brandschutz für den Tempel der Bücher - die Berliner Staatsbibliothek schlägt ein neues Kapitel auf

Aktualisiert: 25. Jan. 2021

Nach 20 Jahren Planungszeit und fast 15 Jahren Umbau erstrahlt sie wieder in ihrer vollen Pracht: Die Berliner Staatsbibliothek Unter den Linden hat eine Sanierung der Superlative hinter sich. Bei ihrer Eröffnung 1914 galt sie als die größte und technisch am besten ausgestattete Bibliothek der Welt. Im Januar 2021 öffnet der Büchertempel wieder für den Ausleihbetrieb. Darauf warten bereits viele Wissenschaftler, Studierende und Lesehungrige.


Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bau durch Bomben schwer beschädigt, der kuppelgekrönte Lesesaal komplett zerstört. An seiner statt entstand in den sechziger Jahren ein nüchterner Magazinturm. Die Sanierungspläne sahen unter anderem vor, den Turm abzureißen und wieder einen Lesesaal zu errichten.


Mit einer 35 Meter hohen Kuppel hat die Staatsbibliothek nun ihre ursprüngliche Silhouette wieder. Darüber hinaus wurden sämtliche Dächer, Fassaden und Innenräume saniert und, soweit möglich, ästhetisch auf den Stand der Kaiserzeit zurückgeführt. Neue Lesesaalinterieurs nach dem Entwurf von HG Merz kamen hinzu, die Magazine und vor allem Leitungen, Rohre und andere technische Infrastruktur wurden saniert.

2005: Die neu errichtete Kuppel über dem Hauptportal Unter den Linden


Neben dem „Allgemeinen Lesesaal“ wurde ein Lesesaal für wertvolle Drucke neu gebaut sowie zwei Etagen mit Tresormagazinen. Hier werden die originalen Partituren von Beethovens 9. Sinfonie, Mozarts Opern wie die "Zauberflöte" und der Großteil von Bachs Handschriften aufbewahrt. Darüber hinaus wurde eine Klimaanlage eingebaut, eine Buchtransportanlage, eine „Digitalisierungsstraße“ mit 15 Scanner-Plätzen und mehrere Restaurierungswerkstätten.


hhpblerlin begleitet das Projekt seit 1992. Die Herausforderung lag darin, einen modernen Brandschutz zu ermöglichen und zugleich die Belange des Denkmalschutzes zu respektieren.


Ganzheitlicher Brandschutz für Alt- und Neubau


In enger Zusammenarbeit mit den Architekturbüros Rüthnick und hg merz, dem Bauherrn und den zuständigen Behörden entwickelte hhpberlin ein innovatives Brandschutzkonzept und gewann dafür bereits 2004 den Deutschen Brandschutzpreis. Mit unkonventionellen brandschutztechnischen Lösungen war es gelungen, sowohl die Umsetzung des architektonischen Entwurfes als auch die Sicherheit der Besucher zu garantieren.


Ausgangsbasis - Groß in jeder Hinsicht


Die Berliner Staatsbibliothek ist die größte wissenschaftliche Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum und eine der größten der Welt: 107 Meter breit und 170 Meter lang. Der monumentale Bau umfasst sieben Innenhöfe und birgt 107.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche, von denen 52.000 direkt der Bibliothek dienen. 50 Kilometer lang sind allein die legendären, fest in den Bau montierten Lipmann-Regale – Stahlkonstruktionen, welche die sogenannten Büchergeschosse bilden und die zu ihrer Errichtung ein absolutes Meisterwerk waren und noch heute sind. 36 Meter hoch erhebt sich der gläserne Kubus des neuen Hauptlesesaals. In den Regalen und Archiven finden sich etwa 25 Millionen Medien und Objekte.