Planung, Bau und Brandschutz in Rekordzeit: Das Berliner Corona-Behandlungszentrum ist eröffnet

Aktualisiert: 8. Juni 2020

Das Berliner Corona-Behandlungszentrum auf dem Messegelände ist offiziell eröffnetnach nur fünf Wochen Bauzeit. Tag und Nacht wurde in Halle 26 in der Jafféstraße gearbeitet, auch über die Feiertage. Das Behandlungszentrum ist als Reservekrankenhaus mit 488 Betten ausgestattet und soll erst zum Einsatz kommen, wenn alle anderen Krankenhäuser mit Covid-Stationen in der Hauptstadt ausgelastet sind.


Dass es so schnell ging, lag laut Projektleiter Albrecht Broemme vor allem an der guten Zusammenarbeit. “Bezirk und Senat, alle Verwaltungsebenen arbeiteten Hand in Hand, wie ich es selten erlebt habe. Die Baugenehmigung hat zehn Minuten gedauert”, so Broemme in einem Interview mit dem SPIEGEL.


Auch die Brandschutzplanung musste schnell über die Bühne gehen. “Wir hatten sieben Wochen Zeit, um das Konzept zu erstellen, eine Räumungs- und Rauchgassimulation sowie Rauchgasversuche vor Ort durchzuführen und den organisatorischen Brandschutz zu planen”, so Heike Kresse, Sachverständige bei hhpberlin.


Brandschutzkonzept in sieben Wochen


Das Behandlungszentrum wurde aus Sicherheitsgründen räumlich vom restlichen Messegelände abgetrennt. In drei Brandabschnitten befinden sich in Summe 488 Betten, davon 111 Beatmungsplätze. Es wurden sogenannte Cluster gebildet: Abteile von jeweils 24 Patientenbetten in der Allgemeinpflege und 16 Patientenbetten im Beatmungsbereich, die durch Pflegekräfte dauerhaft besetzt sind.

Darüber hinaus wurde auf der Freifläche vor der Messehalle 26 ein dreigeschossiger Container-Modulbau errichtet, um die Logistik, die Ver- und Entsorgung sowie die Sozialbereiche für das Personal unterzubringen. Der Modulbau wurde über drei Brücken an die drei Brandabschnitte der Halle 26 angebunden. Dabei wurde durch bauliche Maßnahmen sichergestellt, dass der Modulbau sowie die drei Hallenabschnitte jeweils separate Brandabschnitte bilden. Der Modulbau selbst wurde als Gebäude in feuerhemmender Bauart errichtet.

Da in der Kürze der Zeit bauliche Maßnahmen an der Bestandshalle nicht zu realisieren gewesen wären, stützt sich das Brandschutzkonzept überwiegend auf anlagentechnische und organisatorische/personelle Brandschutzmaßnahmen. Die oberste Priorität liegt dabei auf

  • der Verhinderung der Brandentstehung,

  • der frühzeitigen Branderkennung und Brandmeldung sowie der

  • umgehenden Bekämpfung von Entstehungsbränden zur Verhinderung der Brandausbreitung.

Sämtliche Container, die zu Lager-, Ver- und Entsorgungszwecken in die Halle gestellt wurden, sind in feuerhemmender Bauart errichtet. Die Leitungsanlagen (medizinische Gase und Elektro) wurden offen auf Traversen verlegt, so dass eine mögliche Brandentstehung schnell optisch wahrgenommen werden kann.


Keine Gefährdung durch absinkende Rauchschichten


Das bestehende Entrauchungskonzept für die Halle 26 im regulären Messe-/Veranstaltungsbetrieb sah eine Rauchableitung über natürliche Rauchabzüge in der Dachfläche sowie eine Zuluftbereitstellung über die Türen vor, ohne hier weitere Anforderungen hinsichtlich der Volumenströme, der raucharmen Schichten o. ä. zu stellen.

Mit Rauchgas- und Räumungssimulationen konnte unser Team nachweisen, dass Patienten innerhalb der ermittelten Räumungszeiten nicht durch eine absinkende Rauchschicht gefährdet werden. Darüber hinaus wurden mit der Räumungssimulation verschiedene Abfolgen der Bettenräumung und des damit verbundenen Personaleinsatzes untersucht. 


Mit vor Ort durchgeführten Warmrauchversuchen wurden in der Halle sechs Szenarien untersucht und dabei auch unterschiedliche Betriebsmodi der zur Entrauchung genutzten Lüftungsanlage getestet. Die Versuche wurden mit einem für diese Anwendung entwickelten Brennstoff in Abbrandwannen am Boden ausgeführt. 

Sie bestätigten die Ergebnisse der Simulation. Es stellte sich eine saubere Rauchschichtung in der Halle ein. Der Rauch konnte wirksam durch die Lüftungsanlage abgesaugt werden, so dass die Höhe der raucharmen Schicht konstant blieb.