• Nancy Langnickel

Frankfurts neue Altstadt - Brandschutz für das DomRömer-Quartier

Frankfurt feiert seine neu errichtete Altstadt. Mit einem dreitägigen Spektakel wurde vom 28.-30. September das DomRömer-Quartier offiziell eröffnet und symbolisch übergeben. Den Auftakt bildete ein Festakt in der Paulskirche mit geladenen Gästen. Unsere hhpberlin-Experten Tim Obermeier und Ansgar Gietman waren vor Ort. „Ein schöner Abschluss für ein Projekt, das aus der Reihe tanzt. Die Herausforderung für uns als Brandschutzfachplaner lag darin, ein schutzzielorientiertes Brandschutzkonzept zu entwickeln, das eine mittelalterliche Bauweise mit den Vorgaben einer modernen Bauordnung verbindet“, so Ansgar Gietmann.


Bereits im Mai dieses Jahrs waren die Bauzäune gefallen und der Weg ins neue alte Herz der Stadt wieder frei. Das Team von hhpberlin übernahm den gesamten Leistungskatalog für alle 35 Gebäude, vom Brandschutznachweis über die Beratung während der Ausführungsphase bis hin zu Baubegleitung und Eröffnung. “Wir reden hier nicht nur von einem einzelnen Haus, sondern von einem ganzen Areal mit 7.000 Quadratmetern und 35 Gebäuden, die in einen Kontext hineingeplant wurden und auf einer zweigeschossigen Tiefgarage und einer U-Bahn-Haltestelle stehen”, sagt Ansgar Gietmann.


Das historische Fachwerk-Viertel zwischen Dom und Römer war 1944 bei einem Bombenangriff zerstört worden. Mit dem Abriss des Technischen Rathauses im Jahr 2010 eröffneten sich neue Möglichkeiten, die Frankfurter Altstadt in ihren historischen Grundzügen wiederzubeleben. Gemeinsam mit den Bürgern der Mainmetropole wurde die Idee zu dem Quartier entwickelt, die von der DomRömer GmbH umgesetzt wurde. Das neue Stadthaus am Markt ist das Herzstück. Darüber hinaus entstanden 35 Häuser, von denen 15 originalgetreue Rekonstruktionen sind. Die 20 Neubauten greifen die typischen Stilelemente der Frankfurter Altstadt auf.


Brandschutztechnische Besonderheiten


Die Einstufung des Gebäudeensembles in die Gebäudeklasse 5 nach Hessischer Bauordnung hatte zur Folge, dass sämtliche tragenden Bauteile feuerbeständig aus nichtbrennbaren Baustoffen hätten errichtet werden müssen. Für die Neubauten stellte dies kein Problem dar. Die 15 Rekonstruktionen originalgetreu wiederaufzubauen, stellte jedoch alle Planer und Behörden vor eine große Herausforderung. Gemeinsam mit der Bauaufsicht und der Feuerwehr wurden die Belange des abwehrenden Brandschutzes evaluiert und mit den Schutzzielen verglichen. Jedes einzelne Gebäude wurde auf den Prüfstand gestellt, mit dem Ergebnis, dass in fast allen Fällen die tragenden Bauteile im Erdgeschoss massiv und die Obergeschosse in einer Mischkonstruktion aus Holz und Mauerwerk errichtet werden konnten.


Eine weitere Herausforderung bei der Erstellung des Brandschutzkonzeptes lag darin, die Rettungswege im historischen Kontext bauordnungskonform sicherzustellen. Insbesondere der zweite Rettungsweg, welcher zum Teil über die Geräte der Feuerwehr sichergestellt wird, machte bei den kleinen Fensteröffnungen der historischen Fassaden und den engen Platzverhältnissen in den Gassen alternative Lösungsansätze erforderlich. Konzeptionell erhielten alle Gebäude, deren Nutzungseinheiten mit den Hubrettungsfahrzeugen der Feuerwehr nicht anleiterbar waren, einen zweiten baulichen Rettungsweg. In einigen Fällen mussten dafür Wohnflächen reduziert werden. Wenn die räumlichen Gegebenheiten dies nicht zuließen, wurde der zweite Rettungsweg über ein benachbartes Gebäude in den dortigen Treppenraum geführt.


Trotz der strengen Vorgaben einer historischen Rekonstruktion war es möglich, ein schutzzielorientiertes Brandschutzkonzept zu entwickeln. „Um ein derartiges Projekt umzusetzen, bedarf es einer engmaschigen Abstimmung. Daher haben wir uns bereits in der frühen Planungsphase bis hin zur Fertigstellung regelmäßig mit der Feuerwehr und der Bauaufsicht getroffen und abgestimmt“, sagt Tim Obermeier, Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz bei hhpberlin.


Schnittstelle vorbeugender und abwehrender Brandschutz


Die örtlichen Rahmenbedingungen des Areals mit der dichten Bebauung, den beengten Zufahrtsmöglichkeiten und unterschiedlichen Nutzungen erforderten eine nachhaltige Schulung des Personals des abwehrenden Brandschutzes. In den vergangenen Wochen hat das Team von hhpberlin die Frankfurter Feuerwehr mithilfe von interaktiven Experimenten und taktischer Anleitung in das Areal eingewiesen. Grundlage der Schulung ist das didaktische Konzept von matchbox. Die interaktive Wissensvermittlung setzt auf Anfassen und Erleben, statt auf trockenen Frontalunterricht. Auf diese Weise werden nachhaltige Lernergebnisse erzielt.

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